1938–1945: Ernst Ritter

Von Klaus Strütt, aus dem Jahrbuch 2017

Ernst Friedrich Ritter 1889–1972

Bürgermeister der Gemeinde Fahrnau von 1938–1945

In der Fahrnauer Dorfchronik „Ein Lichtgang durch die Vergangenheit des Dorfes Fahrnau“ von Emil Faller ist über Ritter lediglich erwähnt, dass er von 1938 bis 1945 Bürgermeister des Dorfes war.
Nach 80 Jahren ist es legitim, mehr über diesen Mann und die ihn prägende Zeit zu erfahren.

Persönliche Daten

Ernst Friedrich Ritter wurde am 16. Oktober 1889 in Wieslet geboren.
Sein Vater war Ernst Friedrich Ritter (1864–1943), Landwirt in Wieslet, seine Mutter Katharina Barbara geb. Vollmer.
Ritter wurde in eine Familie geboren, die es gewohnt war, Verantwortung zu übernehmen.
Sein Vater war seit 1930 Bürgermeister in Wieslet und führte dieses Amt bis zum Tode 1943 aus.
Dessen nicht genug: die Vorfahren, aus Vogelbach stammend, hatten dort ihrerseits in mehreren Generationen bereits das Amt des Stabhalters ausgeübt.
Nach dem Besuch der Volksschule in Wieslet bis 1904 besuchte Ritter die Landwirtschaftsschule in Müllheim 1905/07.
Als Freiwilliger diente er 1908/10 in der 3. Komp. Inf. Reg. Nr. 144 in Konstanz.
Vom 04.08.1914 bis zu seiner zweiten Verwundung am 09.04.1918 nahm er am Kriegsgeschehen, zuletzt als Vize-Feldwebel, teil.
Ernst Friedrich Ritter heiratete am 20. August 1918 in Rheydt, Nordrhein-Westfalen, Gertrud Schippers (1891–1976).
Von Januar 1919 bis zum 01. März 1921 war er in einem landwirtschaftlichen Betrieb mit Industrie (Zuckerrübensaft) in Rheydt und Mönchengladbach beschäftigt.
Das Ehepaar kam nach Fahrnau, wo sie Pächter der Krafft’schen Landwirtschaft in der Hauptstraße 62 (gegenüber dem Fabrikgelände) wurden, bevor sie ab 1933 das Haus an der Kürnbergerstraße bauten, um damit einen eigenen Landwirtschaftsbetrieb zu begründen. [15]
Das Ehepaar hatte zwei Töchter, wobei die ältere 1919 in Wieslet, die jüngere 1922 in Fahrnau geboren wurde.

Was ging der Wahl zum Fahrnauer Bürgermeister voraus?

Der Gemeinderat stellte in der Sitzung am 27.07.1937 fest, dass die Amtszeit des derzeitigen Bürgermeisters nach neunjähriger Dienstzeit am 08.08.1937 ablaufen wird.
Wegen der schwebenden Frage einer etwaigen Eingemeindung von Fahrnau nach Schopfheim, wurde die Wahl einstweilen ausgesetzt. [1]

Das Markgräfler Tagblatt informiert am 03.08.1937, dass die Amtszeit von Bürgermeister Ernst Scherr abgelaufen sei.
Als 1928 die Amtszeit des von der Sozialdemokratie gestellten Bürgermeisters (Anm.: Johann Albiez) zu Ende ging, waren es die Arbeitsgemeinschaft der bürgerlichen Parteien, Demokraten, Zentrum, Landbund und Gewerbetreibende, die als Kandidaten Ernst Scherr nominierten, der aus der Wahl als neues Gemeindeoberhaupt hervorging.
Auch 1933, nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten, so wird weiter berichtet, blieb Scherr im Amt und habe seither „nur das Beste gewollt und zum Segen der Gemeinde gearbeitet.“
Ob er weiter in Diensten bleiben oder einen Nachfolger erhalten wird (oder auch keinen?), wusste man noch nicht. [2]
Unstimmigkeiten mit der Partei scheint es gegeben zu haben, denn in der Gemeinderatssitzung vom 09.09.1937 ist protokollarisch festgehalten:
Der Bürgermeister unterrichtete die Anwesenden davon, daß zufolge der ihm durch den Landrat gemachten mündlichen Eröffnung die Kreisleitung der NSDAP auf Antrag des Ortsgruppenleiters Otto Gass die sofortige Amtsniederlegung fordere, mit der Begründung, daß er – der Bürgermeister – infolge der Untergrabung des Ansehens des Ortsgruppenleiters und damit der Partei im Zusammenhang mit den bei der hiesigen Feuerwehr eingetretenen Schwierigkeiten, nicht mehr das Vertrauen der Partei besitze.
Einige Gemeinderäte betonten, zusammen mit dem Beigeordneten Ritter, dass sie dieses Vorgehen des Ortsgruppenleiters jedoch nicht billigen könnten.
Bürgermeister Scherr informierte gleichzeitig, dass Gass sein Amt als 1. Beigeordneter solange nicht ausüben werde, als er, Scherr, das Bürgermeisteramt versehe. [1]

Ende Dezember 1937 berieten die Gemeinderäte mit Kreisleiter Boos über die Bürgermeisternachfolge.
Landwirt und Kreisbauernführer Ernst Ritter sollte vorgeschlagen werden. [1]
Landrat Dr. Kauffmann schreibt daraufhin an den Fahrnauer Gemeinderat am 05.01.1938, dass er mit dem Vorschlag des Beauftragten der NSDAP – Berufung des Landwirts und Kreisbauernführers Ernst Ritter zum ehrenamtlichen Bürgermeister der Gemeinde Fahrnau – einverstanden sei und bittet, diesen zu ernennen.
Eine Vereidigung als Bürgermeister sei nicht notwendig, da Ritter als Kreisbauernführer bereits den vorgeschriebenen Führereid geleistet habe.
Der 1. Beigeordnete Gass nahm wiederum an Sitzungen teil.

Ritter als Fahrnauer Bürgermeister

Ernst Ritter wird am 18.01.1938 als Ehrenbeamter für die Zeit vom 19.01.1938 bis 18.01.1944 zum ehrenamtlichen Bürgermeister ernannt.
Die Ernennungsurkunde ist von Gass und von Ratschreiber Gräf mitunterzeichnet. [3]
Gräf war später (ab 01.08.1940) Ratschreiber der Stadt Schopfheim. [4]
Ritters Amtszeitverlängerung über 1944 hinaus ist weder in den Personalakten noch in Gemeinderatsprotokollen oder Zeitungsberichten vermerkt.
Er bleibt jedoch bis zum Einmarsch der Franzosen 1945 im Amt.
Am 18. Januar wurde Ritter in Verbindung mit einer Großkundgebung der NSDAP durch Landrat Dr. Kauffmann in das Bürgermeisteramt eingeführt.
Die festlich geschmückte Turnhalle reichte mit ihren Plätzen nicht aus, viele mussten mit einem Stehplatz vorlieb nehmen.
Den Abend eröffnete der Musikverein.
Kauffmann blickte zunächst auf die neunjährige Amtszeit des scheidenden Bürgermeisters Ernst Scherr zurück und würdigte dessen Verdienste.
Wenn Scherr nicht mehr zur Wiederwahl vorgeschlagen wurde, liege dies weder an Misstrauen noch an der Befähigung.
Der Beauftragte der NSDAP, Boos, habe jedoch von seiner Befugnis Gebrauch gemacht und einen anderen Vorschlag unterbreitet.
Dr. Kauffmann erwähnte dann, dass Fahrnau keinen Besseren als Ritter zum Bürgermeister hätte finden können.
Er bezeichnet ihn als schlichten, unermüdlichen Mann, der als tapferer Kämpfer, als Führer der Bauernschaft und als Beigeordneter der Gemeinde schon Hervorragendes geleistet habe.
Natürlich erwähnte er die Verpflichtungen für das Dritte Reich und machte deutlich, dass zwischen Bürgermeister und Ortsgruppenleiter, entsprechend dem Grundsatz der Einheit von Staat und Partei, ein gutes Einvernehmen herrschen soll.
Bürgermeister Ritter fand dann in seiner kurzen Ansprache warme Worte und Anerkennung für seinen Vorgänger, bevor er zu seinen neuen Pflichten meinte, das Amt ganz in nationalsozialistischem Sinne zu führen, aber den Dienst so verrichten werde, wie es zum Wohle der Gemeinde gereiche.
Nach einem Liedvortrag des Gesangvereines ergriff Kreisleiter Boos das Wort und betonte mit kräftigen Worten die Ziele des Nationalsozialismus.
Schließlich traf man sich in der „Sonne“, um bei einem Freitrunk und guter Unterhaltung den Abend zu beenden. [5]

Über die sechsjährige Tätigkeit Ritters als Bürgermeister ist wenig dokumentiert.
Die Gemeinderatsprotokolle jener Jahre beschäftigen sich lediglich mit Alltäglichkeiten des Ortes.
Ritters Aufgabenschwerpunkt lag wohl mehr beim Kreisbauernführer, was auch durch einen Antrag der Gemeinde Fahrnau vom 14.10.1943 untermauert wird.
Der Landrat schrieb der Gemeinde, dass die Schaffung einer hauptamtlichen Stelle eines Beigeordneten in Fahrnau nicht möglich sei. [6]

Der Kreisbauernführer und Ritterkreuzträger

Am 13. September 1933 wurden alle landwirtschaftlichen Betriebe Deutschlands obligatorisch zu einer Organisation beziehungsweise Berufsvertretung in Deutschland zusammengefasst, dem sogenannten Reichsnährstand (RNS), an dessen Spitze der Reichsbauernführer Richard Walther Darré stand.
Dem Reichsnährstand unterstanden Landesbauernschaften, diesen wiederum Kreisbauernschaften und diesen insgesamt 50.153 Ortsbauernschaften.

Ritter ist seit dem 30.12.1930 Kreisbauernführer und Kreisfachberater.
Seit dem 04.04.1936 ist er auch ordentliches Mitglied des Landesbauernrates der Landesbauernschaft Baden.
Innerhalb des Reichsnährstandes war er auch Bezirksgruppenfachwart vom Landesverband Bad. Rinderzüchter.

Aufgrund der Neugliederung verschiedener Kreisbauernschaften in Baden wurde Ritter am 13.08.1938 auf seinen Antrag von der Aufgabe des Kreisbauernführers der Kreisbauernschaft Schopfheim (später Lörrach) unter gleichzeitiger Beauftragung mit der Führung der Geschäfte des Kreisobmanns der neugebildeten Kreisbauernschaft Müllheim betraut. [7]
Vom Oktober 1940 bis zum November 1944 war er dann zusätzlich (nach der Besetzung des Elsasses) Kreisbauernführer von Mülhausen. [3]
An anderer Stelle ist zu lesen, dass er bereits im Juni 1940 wegen der trostlosen Lage in Mülhausen dort tätig wurde. [8]
Genauere Hinweise über Ritters Einbindung in die NS-Organisationen gibt ein Fragebogen der französischen Militärregierung vom Juli 1945.
Ritter trat danach am 01.11.1930 in die NSDAP ein (Mitgliedsnummer 357.070).
Vom 23.12.1930 bis zum 01.04.1934 gehörte er der SA und ab 01.04.1934 der SS an.
Nach der Karteikarte SS-Offiziere im Bundesarchiv in Berlin ist er seit dem 01.11.1933 Mitglied der SS.
Er wurde am 10.09.1939 Untersturmführer, am 30.01.1941 O’Stuf. und am 04.10.1942 Hauptsturmführer. [9]

Am 10. Dezember 1937 war im Bahnhofhotel in Schopfheim ein Kreisbauerntag, bei dem der Landesbauernführer Fritz Engler-Füsslin (er stammte aus Laufen, einem heutigen Ortsteil von Sulzburg) die Ortsbauernführer und Hofberater über aktuelle Tages- und Ernährungsfragen informierte.
Ritter war es, der die Tagung eröffnete und die Gäste begrüßte. [10]
Im Oktober 1940 wird ausführlich über die Ehrung von 30 Frontbauern des Gaues Baden in Berlin berichtet.
Die Teilnehmenden wurden vom Führer in Berlin empfangen und mit dem Kriegsverdienstkreuz II. Klasse ausgezeichnet.
Ernst Ritter gehörte neben anderen aus dem Kreis Lörrach zu den Ausgezeichneten.
Ortsbauernführer Spohn aus Eimeldingen, Ortsbauernführer Krebs aus Kirchen, Landwirt Kaufmann aus Haltingen, Landwirt Nunninger aus Bamlach, Landwirt Knodel aus Märkt, Ortsbauernführer Fuchs aus Kleinkems, Ortsbauernführer Heitz aus Bellingen waren die übrigen Frontbauern, denen diese Ehre zuteilt wurde.
Die Männer, so hieß es, gingen mit bestem Vorbild in ihren Dörfern voran.
Genannt wurde der Umstand, dass trotz teilweiser Freimachung im Herbst 1939 Ernte und Anbau bis an die Ufer des Rheins restlos durchgeführt werden konnten.
Auch bei der Räumung der Orte im Mai und Juni 1940 hätten diese Bauern mustergültig und vorbildlich gearbeitet.
Einige von Ihnen blieben allein in den Dörfern zurück und machten pflichtgetreu, während starkem Artilleriebeschuss, die notwendigen Rundgänge zum Schutz von Hab und Gut.
Zu erfahren ist dabei auch, dass 140 Orte von der totalen oder teilweisen Evakuierung betroffen waren. [11]
Über die Feldbestellung im Oberelsass für den Winter 1940 ist zu erfahren, wie viel Ackerboden durch die Kriegsereignisse und die Räumung zahlreicher Gemeinden nicht bewirtschaftet worden ist.
Im Kreis Mülhausen waren dies über 6.000 ha, wovon noch vor Einbruch des Frostes ca. 4.500 ha mit Wintersaaten bestellt werden sollten. [12]

04. Oktober 1942, Erntedanktag: Während einer Großkundgebung der NSDAP im Berliner Sportpalast überreichte Reichsmarschall Hermann Göring dem Kreisbauernführer Ernst Ritter aus Fahrnau (als erstem deutschen Bauern) das von Adolf Hitler verliehene Ritterkreuz des Kriegsverdienstkreuzes.
Das Markgräfler Tagblatt berichtet hierüber sogar auf der Titelseite und druckt ein Foto von Ritter mit Reichsmarschall Göring ab.
Zeitungen in ganz Deutschland und dem Elsass berichten hierüber.
Erwähnt wurde die vorbildlich geleistete Arbeit seit 1933 in der Eigenschaft u. a. als Kreisbauernführer für Müllheim und Mülhausen, Elsass.
Über diese Verleihung, an der auch Joseph Goebbels teilnahm, gibt es auch heute noch im Internet ein Filmdokument (Die Deutsche Wochenschau). [13]
Zu bemerken ist bei dem kurzen Film, dass Ernst Ritter nach der Verleihung des Ritterkreuzes die Hand nicht zum Hitlergruß erhob.
Vielleicht ist der Filmschnitt auch unvollständig.
Erwähnt ist dieser Umstand freilich nirgends.
Es ist auch kaum vorstellbar, dass er die Hand bewusst nicht erhob, denn ansonsten scheint er, wenn auch kein fanatischer, so doch ein linientreuer Parteigenosse gewesen zu sein.

Das Ritterkreuz des Kriegsverdienstkreuzes wurde 1940 gestiftet.
Das Ritterkreuz ohne Schwerter, das Ritter erhielt, wurde für „herausragende Verdienste von entscheidender Auswirkung für die Durchführung von Kriegsaufgaben“ verliehen.

Fahrnau feierte in der Folge seinen Bürgermeister und Kreisbauernführer:

Am Abend des 08. Oktober 1942 wurde Ritter von der Fahrnauer Bevölkerung am Bahnhof Fahrnau herzlich begrüßt.
Die HJ und die Jungmädel standen dabei Spalier.
Sichtlich gerührt war der Ritterkreuzträger inmitten der Bevölkerung, die sein unermüdliches Wirken aus nächster Nähe kannte.
Natürlich waren auch Mitglieder des Gemeinderates, der Ortsbauernschaft, der Ortsgruppe der NSDAP und Vertreter aus Wieslet zum Empfang gekommen.
Pg. Falkenstein von der Ortsgruppe Fahrnau beglückwünschte Ritter zu dieser höchsten Auszeichnung und verwies darauf, dass die Partei in 14 Tagen die Verleihung mit einem Dorfabend feiern werde.
Ritter berichtete, dass er in Berlin von der Verleihung überrascht worden sei.
Er empfinde die Auszeichnung auch nicht als eine persönliche, sondern als eine der Fahrnauer und vor allem der Bauernschaft des Markgräflerlandes. [14]

Im elsässischen „Bauernsturm“ Nr. 42 vom 17.10.1942 kann nachvollzogen werden, wie Ritter und von wem er im Elsass gefeiert wurde.
Auf der Rückfahrt von Berlin empfing ihn in Karlsruhe Landesbauernführer Engler-Füsslin und begeisterte Landsleute begrüßten ihn bei seiner Ankunft in Müllheim.
Einen imposanten Empfang erhielt er auch in Mülhausen, als er dort eintraf.
In der Zeitung ist jedoch vom Samstag, dem 09.10.1942, die Rede.
In Fahrnau traf er aber bereits am 08.10. ein.
Ein Widerspruch im Datum, der aber vernachlässigt werden kann.
Am Samstag, dem 10. Oktober 1942, war die Maschinenhalle in Habsheim, Elsass, feierlich hergerichtet und verziert, um Ritter mit seiner Ehefrau zu begrüßen und zu beglückwünschen.
Die Verdienste wurden bei allen Gelegenheiten immer wieder betont und Ritter gedankt. [15]

Der Saal des Gasthauses „Pflug“ in Fahrnau war am 31. Oktober dicht besetzt, um beim Dorfabend, zu dem die Ortsgruppenleitung eingeladen hatte, dem Ritterkreuzträger die Reverenz zu erweisen.
Landrat Peter aus Lörrach, die Bürgermeister aus Weil und Brombach sowie der Schopfheimer Bürgermeister kamen, um bei der vom Gesangverein und dem Musikverein gestalteten Feier dabei zu sein.
Ortsgruppenleiter Heuberger begrüßte die Gäste nicht nur, er war es auch, der Ritter ehrte und ihm ein Buch überreichte (Titel nicht überliefert).
Im Namen des Gemeinderates und der Verwaltungsmitarbeiter gratulierte Gemeinderat Lang und wünschte, dass es ihnen vergönnt sein möge, recht lange mit Ritter gemeinsam zu wirken.
Landrat Peter aus Lörrach erinnerte an die Verdienste des Geehrten und überreichte ihm ein Gemälde von Hermann Burte, (Rheinlandschaft).
Der Schopfheimer Bürgermeister Blank freute sich ebenfalls als Fahrnauer über die Ehre, die Ritter erfahren hatte, und meinte, dass die Wenigsten wüssten, was Ritter mit seiner einmaligen Aufbauarbeit im Elsass geleistet habe.
Aus einer Steppe habe er fruchtbares Land gemacht und für eine Stadt mit 100.000 Einwohnern – Mülhausen – die Ernährung sichergestellt.
Blank äußerte dann den Wunsch, „dass uns Fahrnauern Bürgermeister Ritter trotz seiner hohen Auszeichnung erhalten bleibe, um die Geschicke der Gemeinde zur Zufriedenheit der Bevölkerung weiter zu leiten.“
Ritter war es dann, der von der Überwindung all der Schwierigkeiten, die sowohl rechts als auch links des Rheins auftraten, berichtete.
Er gab daneben einen Überblick über die Feierlichkeiten am Erntedanksonntag in Berlin.
Über das Markgräfler Tagblatt wurden die Leser ausführlich über diesen Dorfabend, der erst durch die Sperrstunde beendet wurde, informiert. [16]

Die Amtszeit als Gemeindeoberhaupt endet

Warum die Amtszeit von Bürgermeister Ernst Ritter über 1944 hinaus verlängert wurde, ist nicht belegt.
Es gibt weder in der Zeitung noch in den Gemeinderatsprotokollen bis 1945 einen entsprechenden Beschluss oder Vermerk.
Ritter war auf jeden Fall bis zum Kriegsende Bürgermeister von Fahrnau.
Am 03. September 1945 ging bei der Gemeinde Fahrnau die Mehrfertigung eines Schreibens vom 29. August 1945 ein, das der Lörracher Landrat Moericke an Ritter gerichtet hatte, mit folgendem Text:
„Auf Befehl der Militärregierung in Lörrach teile ich Ihnen mit, dass Sie mit Wirkung vom 25. April 1945 als Bürgermeister der Gemeinde Fahrnau entlassen sind.“ [3]
Ritter leitete die Gemeinderatssitzungen bis zum 09.10.1944.
Die Sitzung im Dezember leitete Max Schanzlin als Vertreter des im Elsass vermissten Bürgermeisters Ernst Ritter. [1]
Der spätere Fahrnauer Bürgermeister Emil Faller vermerkte handschriftlich, dass Ritter 1945 im Elsass gefangengenommen wurde. [3]
Es wäre natürlich hoch interessant, über den Entnazifizierungsprozess Ritters mehr zu erfahren.
Im Staatsarchiv Freiburg ist unter dem Bestand D 180/2 Nr. 210034 – Spruchkammer Südbaden – zwar ein Aktenstück vorhanden, in dem sich jedoch nur der Hinweis findet, dass die gesamten Akten sich im Centre des archives diplomatiques, 3, rue Suzanne Masson, 93126 La Courneuve in Frankreich befinden. [17]
Leider waren diese Akten in mehreren angefragten französischen Archiven nicht auszumachen.
Festgehalten werden kann aber dennoch, dass Ernst Ritter 1945 in einem französischen Lager in Pont-d’Ain inhaftiert war.
Später kam er in ein Internierungslager nach Freiburg.
Am 05. August 1948 wurde er, der ehemalige Kreisbauernführer und Bürgermeister, einen Tag nach der vorhergegangenen Beurlaubung dort entlassen.
Aus seinen Personalakten ist auch zu entnehmen, dass er im Aug./Sept. 1947 und im Juli/Aug. 1948 jeweils zur Erntehilfe nach Fahrnau beurlaubt wurde.

Von einigem Interesse ist ein Ansinnen von 44 Fahrnauer Männern vom November 1946, Nichtparteimitgliedern, wie es heißt: Sie bitten um baldige Freilassung des Landwirts Ernst Ritter aus dem Internierungslager.
Die Liste wurde von Bürgermeister Faller am 24.11.1946 eingezogen.
Er hat danach die Unterzeichner zu einer Versammlung auf den 27.11.1946 eingeladen.
Bei dieser Veranstaltung, zu der 2/3 der Unterzeichner kamen, beschlossen diese einstimmig, die Unterschrift zu bereuen und die Liste nicht weiterzugeben.
Wenn man die damalige Größe von Fahrnau betrachtet und die Zahl der Parteimitglieder dazu, so waren es eine beachtliche Zahl von Landwirten, Arbeitern und Handwerkern, die diesen Schritt gehen wollten.
Es ist möglich, aber nicht dokumentiert, dass man mit der Rücknahme der Liste eine Provokation der Militärregierung verhindern wollte.
Dass diese in den Personalakten erhalten ist, entspricht sicher einer Absicht des amtierenden Bürgermeisters der Gemeinde, Emil Faller. [3]

Ernst Ritter lebte und bewirtschaftete seinen Bauernhof in Fahrnau als angesehener Bürger.
Er starb 1972 und ist auf dem Fahrnauer Friedhof im Familiengrab bestattet.

Politisch hat sich Ernst Ritter nicht mehr engagiert.

Quellen

[1] Gemeinderatsprotokolle 1935–1944, Stadtarchiv, Schopfheim AZ IV/132.
[2] Markgräfler Tagblatt vom 03.08.1937.
[3] Personalakten Ernst Ritter, Stadtarchiv Schopfheim AZ IV/21.
[4] Markgräfler Tagblatt Nr. 179 vom 01.08.1940.
[5] Markgräfler Tagblatt Nr. 15 vom 19.01.1938 und Nr. 16 vom 20.01.1938.
[6] Staatsarchiv Freiburg D 719/1 Nr. 5406 (Bürgermeisterdienst in Fahrnau).
[7] Bundesarchiv Berlin R 16 I/928 Deutscher Reichsbauernrat.
[8] Markgräfler Tagblatt vom 05.10.1942.
[9] Bundesarchiv Berlin R 9361 III/550684 Karteikarte SS-Offiziere und BArch. R 9361-IX Kartei/35081915 (NSDAP Mitgliedskartei).
[10] Markgräfler Tagblatt Nr. 289 vom 11.12.1937.
[11] Markgräfler Tagblatt Nr. 247 vom 19.10.1940.
[12] Markgräfler Tagblatt Nr. 241 vom 12.10.1940.
[13] www. Die Deutsche Wochenschau 632/43/1942 – YouTube.
Herzlichen Dank an Herrn Helmut Blank, der mich auf diesen Film aufmerksam gemacht hat.
[14] Markgräfler Tagblatt Nr. 237 vom 09.10.1942.
[15] Bundesarchiv Berlin R 8034 III/381, Reichslandbund, Presseausschnitte.
[16] Markgräfler Tagblatt Nr. 257 vom 02.11.1942.
[17] Staatsarchiv Freiburg D 180/2 (Spruchkammerakten), Signatur D 180/2 Nr. 210034.

Frau Sara Capdeville sei herzlich gedankt, sie hat verschiedene Archive in Frankreich angeschrieben und dabei die Spruchkammerakten über Ernst Ritter nicht ausfindig machen können.

Ich danke Herrn Andreas Gsell für die Zurverfügungstellung der Potpourrikarte mit den beiden Ansichten des Fahrnauer Gasthauses „Pflug“.

Anmerkung

Klaus D. Patzwall schreibt in seinem Buch „Die Ritterkreuzträger des Kriegsverdienstkreuzes 1942-1945“, 1983 erschienen im Verlag Militaria-Archiv, Hamburg:
1. Seite 26: Ritter hat das Ritterkreuz mit Schwertern erhalten.
2. Im gleichen Beitrag schreibt Patzwall, dass Ritter Sonderführer (Z) war und mit Kriegsbeginn zum Heer eingezogen wurde.

Zu 1: Dies ist eindeutig falsch, er erhielt die Auszeichnung ohne Schwerter.
Der Autor schreibt auch, dass die Verleihung bei einem Festakt im Mosaiksaal der Neuen Reichskanzlei in Berlin erfolgte.
Dies ist jedoch ebenfalls anders belegt.
Zu 2: Einen Beleg hierfür fand ich weder in den Akten des Bundesarchivs Berlin noch in denen des Stadtarchivs Schopfheim.
In beiden Quellen wurde die Frage nach dem Militärdienst immer verneint.

Ernst Ritter. Ein älterer Mann mit Glatze und Schnurrbart trägt einen Anzug mit einem Eisernen Kreuz und einer NSDAP-Parteiabzeichen-Nadel.
Hermann Göring und Ernst Ritter: Ein Mann in Uniform überreicht einem anderen Mann eine Auszeichnung, im Hintergrund ist ein großes Emblem mit einem Adler und Hakenkreuz zu sehen.
Parteiversammlung der NSDAP: Eine Versammlung in einem dekorierten Saal mit nationalsozialistischen Symbolen, wo eine Person an einem Podium spricht.
Der "Pflug" in Fahrnau: Ein historisches zweistöckiges Gebäude mit einem kleinen Balkon, vor dem eine Person steht, und einer Flagge mit Hakenkreuz hängt an der Fassade.
Der Raum zeigt eine lange Festtafel mit Stühlen unter einem gemalten Felsbogen und einem zentralen Wandbild, das von Vorhängen umrahmt ist.