Im April 2008 beschließt der Gemeinderat der Stadt Schopfheim im Baugebiet Schlattholz eine Straße nach Alfred Schneider zu benennen, der sich im Schopfheimer Sportwesen engagiert hatte. Sein Sohn Hannes Schneider hat eine sehr persönliche Biografie über ihn geschrieben.
Herkunft und Familiengeschichte
Eine relativ neue Straße im Neubaugebiet beim Schwimmbad heißt „Alfred‑Schneider‑Straße“. Wer war Alfred Schneider und welche Verdienste um die Stadt hatte er, so dass sogar eine Straße nach ihm benannt wurde?
Geboren wurde Alfred Schneider als Karl Alfred Schneider am 08.12.1918 in Schopfheim. Bekannt war er als Fred. Sein Elternhaus steht in der Au in der Mattenlehstraße 11. Seine Eltern, Alfred Schneider und Elise Maurer, hatten sich als Nachbarskinder in der Mattenlehstraße kennengelernt. Fred war der Älteste von sechs Geschwistern, wovon noch einer lebt.
Die Schneiders stammen ursprünglich vom Rüttehof auf dem Hotzenwald. Neueste Veröffentlichungen in Stammbäumen haben ergeben, dass ein Stammvater Schneider im 18. Jahrhundert vom Kaiserstuhl auf den Hotzenwald gezogen ist. Der Großvater von Fred hatte im 19. Jahrhundert Arbeit als Taglöhner in der Weberei Vogelbach in Schopfheim gefunden. Der Stammbaum der Familie Maurer lässt sich bis ins 17. Jahrhundert im Ortsteil Wiechs verfolgen.
Frühes Leben und sportliche Prägung
Die Familien Schneider und Maurer betrieben eine Landwirtschaft in der Au. Die große Scheune dafür musste vor einigen Jahren einer Kurvenbegradigung für die Nordumfahrt der Stadt weichen. Fred wuchs mit der Landwirtschaft auf, obwohl sein Vater beim Gaswerk und später bei der Stadt beschäftigt war. Unter anderem besaß die Familie Schneider ein Feld bei der Johannishütte oberhalb des Motocrossplatzes auf dem Dinkelberg.
Als ältester Sohn musste Fred schon früh richtig mit anpacken. Trotzdem widmete sich Fred schon in jungen Jahren dem Sport. Zum Sport animierte ihn wohl ein Bruder seines Vaters, Willi Schneider, der sich stark im Arbeiter‑Turnverein Schopfheim engagierte. Der Sport, insbesondere Leichtathletik und Skilauf, prägten sein ganzes Leben.
1933 begann Fred nach der 8‑jährigen Volksschule eine Lehre als Mechaniker bei der Firma Wetzel in Lörrach, die er 1936 erfolgreich als Mechaniker‑Geselle abschloss. Anschließend arbeitete er ein halbes Jahr als Eisendreher bei einer Firma Schanzlin in Fahrnau, bevor er am 3. April 1937 seinen fast zehnjährigen Dienst für das Vaterland im Arbeitsdienst in Leiberstung bei Baden‑Baden begann.
Militärische Laufbahn im Zweiten Weltkrieg
Eine weitere Leidenschaft von Fred war die Fliegerei. Er unternahm Segelflüge bei den Schanzen in Gersbach und bewarb sich bei der Deutschen Lufthansa als Flugzeugführer, jedoch erfolglos. Daraufhin meldete er sich freiwillig bei der Luftwaffe und wurde am 5. November 1937 zum III. Sturzkampfgeschwader (Stuka) 165 in Wertheim am Main eingezogen, wo er nach der infanteristischen Grundausbildung zum Flugzeugmechaniker ausgebildet wurde.
Am 1. Juni 1939 wurde Fred zur Sturzkampf‑Fliegerschule nach Kitzingen versetzt, die später nach Insterburg in Ostpreußen verlegt wurde. So erlebte er den Beginn des Zweiten Weltkriegs unter Friedensbedingungen und lernte Ostpreußen sowohl aus der Luft als auch am Boden kennen. Im September 1941 erfolgte die Versetzung zum berühmten Sturzkampfgeschwader Immelmann an die Front in Russland, wo er zunächst als Mechaniker und später als Werkmeister tätig war.
Im Sommer 1943 führte er 32 Feindflüge als Bordschütze in einem Ju 87‑Sturzkampfbomber durch. Sein Staffelkapitän war in dieser Zeit der bekannte Stuka‑Flieger Rudel. Im Frühjahr 1944 wurde Fred auf die Fliegerschule nach Prenzlau in der Uckermark versetzt, wo er als Pilot des Raketenjägers Me 163 ausgebildet werden sollte. Die Ausbildung brach jedoch wegen Kriegswirren und Nachschubproblemen ab.
Am 2. April 1945 wurde Fred von Amerikanern in Aschaffenburg gefangen genommen, wo er noch kurz vor Kriegsende als Infanterist im Häuserkampf eingesetzt wurde. Es folgte fast einjähriger Kriegsgefangenenstatus in amerikanischem und französischem Gewahrsam in Südfrankreich, aus dem er am 28. Februar 1946 entlassen wurde.
Nachkriegszeit, Beruf und Familienleben
Nach fast zehn Jahren Militär versuchte Fred im Zivilleben wieder Fuß zu fassen. Seine Bewerbung bei der Ingenieurschule in Konstanz wurde abgelehnt, sodass er im Frühjahr 1947 wieder bei seiner Lehr‑Firma Wetzel in Lörrach anheuerte. Trotz Kriegsverletzung nahm er sofort wieder am Sport teil; sein Mitgliedsausweis des SV Schopfheim trägt die Nummer 11.
Er sammelte zahlreiche Urkunden von Leichtathletik‑Wettkämpfen in den späten 1940er Jahren und mietete im Winter zusammen mit Freunden die Sankt‑Wilhelmer Hütte auf dem Feldberg. Nach der Heirat mit Liselotte Reinhart im August 1949 erhielt er eine Wohnung in der Hauptstraße 32. Die drei Kinder Hannes, Jörg und Ingrid wurden zwischen 1950 und 1953 geboren.
Im Januar 1953 legte Fred die Prüfung zum Mechaniker‑Meister ab, wechselte zur Firma Dreistern in Schopfheim und zog in die Hebelstraße 31 um. Dort blieb er bis zu seiner Pensionierung 1983 als Oberingenieur in die Geschäftsleitung der Firma Dreistern. Neben seiner beruflichen Laufbahn pflegte er Hobbys wie Fotografie, Geschichte, Technik, Natur, Philosophie und vor allem Sport.
Engagement im Sport und gesellschaftliche Anerkennung
Fred war ein engagierter Leichtathletik‑Trainer, den viele Schopfheimer noch kennen. Ralph Mouchbahani, ein gebürtiger Libanese mit Schopfheimer Großmutter, wurde von Fred während des Libanesischen Bürgerkriegs in Schopfheim trainiert und ist heute international tätiger Leichtathletik‑Trainer. Fred integrierte junge eritreische Flüchtlinge wie Tessi Reda und seinen Bruder Alim sofort in sein Training.
Trotz seiner Verdienste lehnte Fred jede Ehrung ab, weshalb er nie selbst um eine Benennung bat. Dennoch ist seine Familie stolz auf die Anerkennung, die ihm posthum zuteilwurde.
Benennung der Straße und Vermächtnis
Die Benennung der Alfred‑Schneider‑Straße wurde von Ralph Mouchbahani in einer Würdigung von 1987 besonders treffend beschrieben. Alfred Schneider verstarb am 05. April 2000; seine Ehefrau Lotte lebte noch bis 2022. Er hinterließ drei Kinder, sieben Enkel und neun Urenkel, die sein Andenken bewahren.